Deutscher Atomexperte Renneberg - Kein deutsches AKW sicher - Die GrünenNavigation: Deutscher Atomexperte Renneberg - Kein deutsches AKW sicher Österreich sei von der offensichtlichen Wende in der deutschen Atom-Politik massiv betroffen, versicherte auch der deutsche Atomenergie-Experte Wolfgang Renneberg, der jüngst mit einer Studie über das Gefahrenpotenzial der deutschen AKW Aufsehen erregt hat. Der ehemalige Ministerialdirektor im Berliner Umweltministerium, der seinen Posten als "Politischer Beamter" 2009 räumen musste, leitet nun in der Nähe von Bonn das "Büro für Atomsicherheit" (http://www.atomsicherheit.de). Österreich direkt betroffen Störfälle in den AKW im Süden Deutschlands - dazu zählen die meist mit mehr als einem Reaktor bestückten Kraftwerke Gundremmingen, Isar, Grafenrheinfeld, Neckarwestheim, Philippsburg und Biblis - hätten auf jeden Fall unmittelbare Auswirkungen auch auf Österreich. "Kein Atomkraftwerk ist sicher. Es geht nur darum zu definieren, wo wir eine Akzeptanz-Grenze ziehen, was das Gefahrenpotenzial betrifft", erläuterte Renneberg. Seine Studie weise nach, dass die Risiken eben nicht bekannt, sondern in der Tat unkalkulierbar seien. Die Sicherheitsstandards vergangener Jahrzehnte - und um diese gehe es bei den Reaktoren, die abzuschalten seinen - würden heutigen Standards nicht mehr genügen. "Kein einziges Kernkraftwerk in Deutschland entspricht dem Sicherheitsstandard, der spätestens seit 1994 nach dem Stand von Wissenschaft und Technik für neue Anlagen zugrunde gelegt werden musste." Erhöhte Sicherheitsrisiken Dazu komme eine Erhöhung des Sicherheitsrisikos durch Materialalterung, durch Fehler bei Wartungs- und Nachrüstungsarbeiten und v.a. durch veraltete Bauweisen. Alte AKW wie jene, deren Laufzeit nun verlängert werden soll, würden nicht ausreichend Sicherheit vor Flugzeugabstürzen und/oder Terror-Angriffen gewährleisten. Auch politisch habe der Plan der deutschen Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) europaweit Auswirkungen, so Glawischnig. "Deutschland ist das Zugpferd für erneuerbare Energien", der deutsche Atomplan sei daher ein schwerer Rückschlag für diesen Zukunftssektor. Italien will Atomstopp aufheben Doch Österreich sei nicht nur von Deutschland her gefährdet, was Atomenergie betrifft. Auch gegen andere AKW wie Temelin oder Mochovce wolle man weiterhin vorgehen. Ein relativ neues Thema, das man sehr kritisch betrachte, sei Italien. Dort will die Mitte-Rechts-Regierung unter Silvio Berlusconi ein Referendum, mit dem die Italiener 1987 einen Atomstopp erwirkten, außer Kraft setzen und neue Anlagen bauen. Ein AKW könnte in Chioggia bei Venedig - in 160 Kilometer Entfernung zu Österreich - entstehen, die Standortfrage ist allerdings noch nicht ausdiskutiert.